Fredenbeck gewinnt knappes Derby gegen Beckdorf

Der VfL Fredenbeck hat das Kreisderby gegen den SV Beckdorf in der Dritten Liga Nord mit 32:29 (18:16) gewonnen und bleibt im Männer-Handball die Nummer 1 in der Region.

Von Wilhelm Thiele

Der Tabellenstand habe bei Derbys zwischen dem VfL Fredenbeck und dem SV Beckdorf noch nie eine Rolle gespielt, schrieb das TAGEBLATT in der Vorberichterstattung. Der Spielverlauf sollte diese Einschätzung bestätigen. Beide Mannschaften begannen mit viel Tempo und suchten die schnellen, einfachen Tore. Die Beckdorfer spielten frech und stellten mit ihrem gut disponierten Rückraum um Raimonds Trifanovs und Eike Wertz Fredenbecks Abwehr vor Rätsel. Nach zehn Minuten stand es ausgeglichen 6:6. Auf Beckdorfer Seite schienen die Diskussionen um die ungewisse Zukunft von Trainer Rayco Rodriguez und Teilen der Mannschaft Kräfte freigesetzt zu haben. Der VfL Fredenbeck, der ohne Spielmacher Maciek Tluczynski und Philipp Grote antreten musste, spielte im Angriff variabel und gegenüber zuletzt deutlich verbessert, zeigte aber in der Abwehr wiederum die schon über die ganze Saison andauernden Probleme. Es fehlte an der erforderlichen Tiefe in der Abwehrarbeit und notwendiger Aggressivität.

Beckdorf bleibt standhaft

In der Mitte der ersten Halbzeit sah es so aus, als ob der VfL das Spiel in den Griff bekäme. Mit einem 5:0-Lauf erspielte sich die Mannschaft einen Vorsprung von drei Toren (9:6, 14. Min.). Doch im Unterschied zu den letzten Spielen fiel Beckdorf nicht auseinander. Nach einem Torwartwechsel, Stefan Stielert kam in der 15. Minute für den glücklosen Florian Knust, fand die Mannschaft Stabilität und verkürzte auf 13:12 (21. Min.) Auf beiden Seiten war viel Nervosität im Spiel; entsprechend hoch die Zahl individueller Fehler. Das Spiel verflachte. 18:16 führte der VfL zur Halbzeit.

Die Fredenbecker starteten konzentrierter in die zweite Hälfte und erspielten schnell (38. Min.) einen 22:17-Vorsprung heraus. Doch Beckdorf wehrte sich. Mitte der zweiten Halbzeit hatten die Fredenbecker ihren Vorsprung verspielt (24:23, 44. Min.). Das Derby war ein Nerven- und Kampfspiel geworden, nichts für Handballästheten und lebte ausschließlich von der Spannung. Die Spieler des SV Beckdorf luden jetzt die Fredenbecker mit individuellen Fehlern zu Kontern ein und animierten die teilweise sehr kleinlich pfeifenden Schiedsrichter zur Vergabe von Zeitstrafen. Beim VfL Fredenbeck wurde zunehmende Unsicherheit sichtbar, die Gastgeber spielten in den letzten Minuten wie gelähmt. Als dann Eike Wertz in der 57. Minute für Beckdorf den 30:29 Anschluss herstellte, schien das Spiel zugunsten des SVB zu kippen. Doch Fredenbecks Routinier Lars Kratzenberg behielt die Nerven und sicherte mit zwei Treffern den knappen aber verdienten 32:29-Sieg.

Beckdorfs Coach Rayco Rodriguez war mit der kämpferischen Einstellung seiner Mannschaft zufrieden. „Wir haben nicht aufgegeben, sondern gekämpft, wie lange nicht und das Spiel über weite Strecken ausgeglichen gestaltet. Aber wir bekommen die individuellen Fehler nicht in den Griff.“ Andreas Ott war froh über die für den VfL gewonnen Punkte. „Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss,“ fasste der Fredenbecker Trainer zusammen und ergänzte, dass der Angriff ihn zufriedengestellt habe. Die Abwehr müsse aber zulegen. Die Fans tröstete er: „Wir werden uns steigern und wieder schöne Spiele zeigen.“

Stimmen zum Spiel

Steffen Aevermann (Co-Trainer SV Beckdorf): „Wir haben heute kämpferisch alles gegeben. Am Ende aber, wie schon die ganze Saison zu viele individuelle Fehler gemacht. Schade, dass wir zum Schluss nicht den Ausgleich geschafft habe. Ich glaube, dann wäre das Spiel gekippt.“

Jonas Vonnahme (VfL Fredenbeck): „Man hat heute gesehen, dass wir eine sehr junge Mannschaft auf der Platte hatten. Die waren noch zu nervös, müssen die Erfahrung eines Derbys noch machen. Ich glaube, wir haben am Ende verdient gewonnen. Der Sieg hätte aber eigentlich deutlicher ausfallen müssen.“

Eike-Christian Wertz (SV Beckdorf): „Wir haben gut mitgehalten. In der ersten Halbzeit machen wir noch zu viele Fehler. Zum Schluss haben die Schiedsrichter ihre Linie zu unserem Nachteil verloren. Mit meiner Leistung bin ich ganz zufrieden, vor allem in der ersten Hälfte hätte ich mir ein paar Würfe weniger nehmen sollen.“

Lars Kratzenberg (VfL Fredenbeck): „Es war ein enges Spiel, auch wenn wir fast immer geführt haben. Wir haben den Beckdorfer Rückraum nicht in den Griff bekommen. Normalerweise hätten wir uns früher absetzen müssen, haben aber oft überhastet agiert. Es war eben ein typisches Derby.“

Raimonds Trifanovs (SV Beckdorf): „Entscheidend war die Schlussphase. Wir waren häufig in Unterzahl und zum Schluss hat auch die Konzentration gefehlt. Hätten wir den Ausgleich geschafft, wäre das Spiel anders ausgegangen. Aber wir haben alles gegeben.“

Maximilian Lens (VfL Fredenbeck): „Auch wenn Beckdorf schon fast abgestiegen ist, sie haben es uns sehr schwer gemacht. Unsere Abwehr stand nicht gut und im Angriff haben wir zu viele Fehler gemacht. Aber was zählt, sind die zwei Punkte.“

Michael Schmidt (SV Beckdorf): „Es war ein enges Spiel. Wir hätten mehrfach ausgleichen können. Aber in entscheidenden Phasen vergeben wir wieder leichte Bälle.“

David Oppong (VfL Fredenbeck): „Das war ein Spiel mit Leidenschaft. Wir waren klarer Favorit, haben uns aber sehr schwer getan. Beckdorf hat, erstmals wieder, gekämpft. Aber am Ende hat ihnen die Cleverness gefehlt.“

Die Statistik

VfL Fredenbeck: Kuksa (1.- 18. Min.,43. – 50. Min.), Piatke ( 18. – 42. Min., 50. – 60. Min.), Steinscherer 5/5, Buhrfeind 3, Vonnahme 3, Polášek, Kratzenberg 7, Schulte-Berthold 2, Lens 2, Schlichting, Rumniak 6, Sauff 2, Oppong 2, Moscinski.

SV Beckdorf: Knust (1. – 15. Min.) Stielert (16.-30. Min.), Rudolphi, Wertz 8, Bowe, Ankersen 3, Kreicbergs, Brandt 3, Schmidt 2/1, Kahrs 1, Jansen 2/1, Fuhrmann 2, Trifanovs 8.

Siebenmeter: VfL 7/5; SVB 4/2

Zeitstrafen: VfL: 5; SVB 7; Rote Karte Wertz 59. Min.

Zuschauer: 840

Schiedsrichter: Große/Kreutz (beide Nordhausen)

Quelle: Tageblatt
Foto: Jürgens

32:37-Niederlage gegen den SV Anhalt-Bernburg
SV Beckdorf in Henstedt ohne Chance

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